
Mein Gedicht des Tages
An den Frühling
Noch immer, Frühling, bist du nicht
Gekommen in mein Thal,
Wo ich dein liebes Angesicht
Begrüßt das letzte Mal.
Noch stehn die Bäume dürr und bar
Um deinen Weg herum
Und strecken, eine Vettlerschar,
Nach dir die Arme stumm.
Frühblumen wähnten dich schon hier,
Frost bringt sie um ihr Glück,
Sie sehnten sich heraus nach dir,
Und können nicht zurück.
Die Schwalbe stiegt bestürzt umher,
Und ruft nach dir voll Gram,
Bereut schon, daß sie über’s Meer
Zu früh herüberkam.
Nikolaus Lenau