Gedicht des Tages

St. Moritz Kirche in Taucha von oben

 

Hoch über den Dächern von Taucha

Hoch über den Dächern der Stadt
ist die Luft klar und rein.
In diesen lauen Lüften
würde ich gern ein kleiner Vogel sein.

Könnte all das aus der Ferne erleben
wie sich Menschen bewegen.
Rastlos und hektisch,
täglich bei Sonne und Regen.

Hoch über den Dächern der Stadt
kommt die Hektik zum Erliegen.
Der ganzen Lärm und die Raserei
sind auf den Straßen der Stadt geblieben.

Ruhe und Stille hier oben.
Schweben und Leben.
Könnte durch die Winde toben
und das ganze Universum loben.

Hoch über den Dächern der Stadt
ist die Luft klar und rein.
Aber ich lebe nun mal hier unten!
Warum kann es hier nicht auch so sein?

© Jürgen Rüstau

Gedicht des Tages

Gedicht des Tages

Hoffnung, Glaube, Liebe

Hoffnung, Glaube, Liebe.
Einfach nur Worte?
Hoffnung?
Ich hoffe auf die Beständigkeit
im Leben.
Ich hoffe auf Gesundheit,
auf Frieden, auf Glück.
Glaube?
Ich glaube an Gott.
Ich glaube an Freundschaft,
an Ehrlichkeit im Menschen.
Liebe?
Du bist für mich
Glaube und Hoffnung gleichzeitig.
Du bist mein Leben,
meine Liebe.

© Jürgen Rüstau

Gedicht des Tages

Gedicht des Tages

Lieblingskneipe

Erst war’s eine Flucht vor dem Alltag,
den täglichen Lügen.
Immer wieder sich selbst betrügen,
im Selbstmitleid verfallen,
sich an die vergangene Beziehung krallen.
Nicht loslassen den Partner,
den man so liebte,
obwohl der Alltag die Liebe längst besiegte.
Eine Liebe die viele Jahre hielt,
eine Achterbahnfahrt des Lebens,
nie mit den Gefühlen des anderen gespielt.
Jetzt sitze ich bei einem Glas Wein,
denke über alles nocheinmal nach,
die dunkelste Kneipe
wird mein schönstes Gemach.
Finde dort neue Freunde,
rede über Gott und die Welt,
hab gerade das zweite Glas Wein mir bestellt.
Die Zunge gelockert,
man redet und redet, die Zeit vergeht.
Vergessen die Sorgen,
die hier ohnehin keiner versteht.
Das Leben geht weiter,
eine neue Liebe beginnt sich zu entfalten.
Die Oase des Sorglosen,
meine Lieblingskneipe,
bleibt mir erhalten.
Die Liebe sie kommt, die Liebe sie geht,
nie vergesse ich Raum und Zeit,
in welcher meine Lieblingskneipe steht.

© Jürgen Rüstau 1999

Mein Gedicht des Tages

Mein Gedicht des Tages

An den Frühling

Noch immer, Frühling, bist du nicht
Gekommen in mein Thal,
Wo ich dein liebes Angesicht
Begrüßt das letzte Mal.

Noch stehn die Bäume dürr und bar
Um deinen Weg herum
Und strecken, eine Vettlerschar,
Nach dir die Arme stumm.

Frühblumen wähnten dich schon hier,
Frost bringt sie um ihr Glück,
Sie sehnten sich heraus nach dir,
Und können nicht zurück.

Die Schwalbe stiegt bestürzt umher,
Und ruft nach dir voll Gram,
Bereut schon, daß sie über’s Meer
Zu früh herüberkam.

Nikolaus Lenau

 

Gedicht des Tages

Gedicht des Tages

Rainer Maria Rilke: Vorfrühling

Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung
an der Wiesen aufgedecktes Grau.
Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau,

greifen nach der Erde aus dem Raum.
Wege gehen weit ins Land und zeigens.
Unvermutet siehst du seines Steigens
Ausdruck in dem leeren Baum.

Aus: Die Gedichte 1922 bis 1926 (Muzot, etwa 20. Februar 1924)

Mein Gedicht des Tages – Ich ❤️ Rilke

Mein Gedicht des Tages

Das ist die Sehnsucht: wohnen im Gewoge
und keine Heimat haben in der Zeit.
Und das sind Wünsche: leise Dialoge
täglicher Stunden mit der Ewigkeit.

Und das ist Leben. Bis aus einem Gestern
die einsamste von allen Stunden steigt,
die, anders lächelnd als die andern Schwestern,
dem Ewigen entgegenschweigt.

Rilke

 

Mein Gedicht des Tages


Ich mit meiner Mutter und meinem Vater

Gedicht des Tages

Hermann Hesse veröffentlichte 1902, auf Anfrage des Berliner Schriftstellers Carl Busse einen Band Gedichte .
Diesen Band den er schlicht Gedicht nannte ,widmete er seiner, zu dem Zeitpunkt schwer erkrankten Mutter.
Kurz vor Erscheinen des Buches stirbt Marie Hesse nach qualvollen Schmerzen am 24. April 1902.
Folgendes Gedicht,in dem Hesse seine Gefühle ausdrückt, nimmt er noch kurz vor Drucklegung in den neuen Lyrikband auf.

MEINER MUTTER

Ich hatte dir so viel zu sagen,
Ich war zu lang im fremden Land,
Und doch warst du in all den Tagen
Die, die am besten mich verstand.

Nun,da ich meine erste Gabe,
Die ich dir lange zugedacht,
In zagen Kinderhänden habe,
Hast du die Augen zugemacht.

Doch darf ich fühlen, wie beim Lesen
Mein Schmerz sich wunderlich vergißt,
Weil dein unsäglich gütig Wesen
Mit tausend Fäden um mich ist.

Juni 1902

Aus Hermann Hesse
Die Gedichte

Mein Gedicht des Tages

Mein Gedicht des Tages

Die Nachtblume

Nacht ist wie ein stilles Meer,
Lust und Leid und Liebesklagen
Kommen so verworren her
In dem linden Wellenschlagen.

Wünsche wie die Wolken sind,
Schiffen durch die stillen Räume,
Wer erkennt im lauten Wind,
Ob’s Gedanken oder Träume?

Schließ ich nun auch Herz und Mund,
Die so gern den Sternen klagen;
Leise doch im Herzensgrund
Bleibt das linde Wellenschlagen.

Joseph von Eichendorff