Kalenderblatt – Gedanken zum Totensonntag

Am kommenden Sonntag ist der Tag an dem wir uns an unsere Verstorbenen erinnern.
Dies möchte ich mit zwei Gedichten und Gedanken dazu beitragen.

Gedanken zur Nacht

Steh nicht am Grab mit verweintem Gesicht,
ich bin da – schlafe nicht.
Ich bin der Wind, der weht über die See.
Ich bin das Glitzern im weissen Schnee.
Ich bin die Sonne auf reifender Saat,
ich bin im Herbst in der goldenen Mahd.
Wenn du erwachst im Morgenschein,
werde immer um dich sein.
Bin im Kreisen der Vögel am Himmelszelt,
ich bin der Stern, der die Nacht erhellt.
Steh nicht am Grab in verzweifelter Not,
ich bin nicht da – ich bin nicht tot!

Irisches Grabgedicht

Tür in die Nacht

Es schließt die Tür hinter mir.
Bin ich vergessen?
Dabei war ich ein Leben von dir besessen.
Nun sitze ich auf einer Bank
in der Ruhe der Natur im Friedwald und lass mich treiben.
Mal ist mir heiß, mal ist mir kalt.
In meinen Gedanken
habe ich mich in mir und dir, in meinem Leben verloren.
Ich hatte nur dich zum Leben auserkoren.
Doch das Leben ist manchmal so hart und auch so ungerecht.
Mir geht es jetzt seelig so schlecht?
Was ich auch mache, wohin du und ich auch gingen, wo immer wir uns bewegten.
Wo sind die Höhen, wo die Tiefen auf all diesen Wegen?
Manchmal möchte ich und kann ich es leider nicht begreifen.
Warum kann ich nicht gemeinsam und lachend mit dir durchs Leben schreiten?
Warum nur, warum ist das Leben nicht leicht?
Eine Antwort in meinem Hirn, die mir einfach nicht reicht.

© Jürgen Rüstau

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert