





Herbst
Näher rückt die trübe Zeit
Und ich fühl’s mit Beben:
Schwinden muß die Herrlichkeit,
Sterben junges Leben!
Waldesschmuck und Blütenpracht
Sinken bald in Grabesnacht:
Scheiden, das macht Leiden!
Blumen auf der grünen Au‘
Still ihr Haupt schon neigen;
Sommerabendlüfte lau
Rauhen Stürmen weichen;
Vöglein auf der Bergeshöh‘,
Schmetterling am tiefen See
Müssen von uns scheiden!
Blatt sinkt nieder in den Staub,
Wird ein Spiel der Winde;
Traurig schüttelt ab ihr Laub
Auf den Weg die Linde;
Wolke eilt, dem Pfeile gleich,
Stürmend durch der Lüfte Reich,
Scheucht die trauten Sterne!
„Morgen muß ich fort von hier!“
Singt der Fink mit Grämen
Rosen schwindet ihre Zier,
Müssen Abschied nehmen. –
Ach, es macht so bittern Schmerz
Wenn, die innig liebt das Herz,
Alle uns verlassen! –
Johann Georg Daniel Arnold (1780 – 1829)


Herbst
Herbst, du trüber Gesell,
die Tage werden wieder kürzer,
es ist nicht mehr lange hell.
Goldener Oktober,⁰
öder November.
Herbst Ausverkauf.
Wir warten auf Dezember.
Doch hat der Herbst auch seine schönen Zeiten.
Sonnige Tage, bunte Blätter.
Ich lass mich fallen wie die Blätter vom Baum,
liege Gedanken versunken
in meinem warmen Raum.
Lasse meine Seele einfach baumeln,
Durchreise das Jahr.
Das Telefon klingelt, du bist wohl dran.
Stehe zu hastig auf, taumle.
Stürze samt Telefon mit dir hin.
Bloß gut,
dass ich Herbst öfters zu Hause bin.
© Jürgen Rüstau






Blätter fallen im Sekundentakt.
Farben im Naturextrakt.
Schritte huschen über die Blätterdecke,
leise, dass ich dich nicht wecke
Schleiche mich zu dir ins Haus,
Brötchen aus dem Ofen raus.
Kaffeeduft zieht zu dir ins Zimmer.
Frieren?
Unter deiner Decke?
Nimmer!
Frühstück nur mit dir im Bett,
ach wie ist der Herbst doch nett.
Möchte einfach liegen bleiben,
nur mit dir die Zeit vertreiben.
Honig läuft an meinem Körper runter.
Der Herbst, der treibt es immer bunter.
Stöhnend versinke ich im Kissen.
Herbstmorgende mit dir,
möchte ich nie mehr missen.
© Jürgen Rüstau

Fotos © Jürgen Rüstau Foto Ententeich © Anke Rüstau