In Liebe

Bild Heinrich Heine

Es fragte mal ein Dichter,
„Kind, weißt du was Liebe ist?“
Es sagte dann der Dichter,
„Es ist ein Stern in einem Haufen Mist!“
Ich hab den Stern gefunden.
Meine Augen strahlen vor Glück.
Ich hab den Stern gefunden,
ließ den ganzen Mist zurück.
Habe dich gefangen,
mit meinem ganzen Charme.
Als Gefangene der Liebe,
liegst du in meinem Arm.
Das Reich, was ich dir biete,
wertvoller, wie Gold und Edelstein,
ist das grenzenlose Reich der Liebe,
ein Reich, nur für dich allein!
Vertrauen, die Verfassung meines Reiches,
du findest auf der ganzen Welt nichts Gleiches.
Laß uns beide strahlen, strahlen vor Glück,
in meiner ganzen Hoffnung,
es gäbe aus diesem Reich kein Zurück!

© Jürgen Rüstau

Das Café der Träume

Das Cafe der Träume
Eingebettet im Häusermeer unserer Stadt
Über der Terrasse schattenspendende Bäume
Lebensmomente die man nicht immer hat.

Träume beginnen hier zu leben
bekommen ihren Sinn
Hier entfacht mein Streben
Weil ich hier glücklich bin.

Menschen mit freundlichen Gesichtern
Verweilen träumend im Raum
Der Hauch von Musikern, Malern und Dichtern
Haftet in einem geistigen Saum.

Hier haben wir uns gefunden
Leben hier unseren schönsten Traum
Diskutieren in frohen Runden
Langeweile gibt es hier kaum.

Jeder Mensch sucht solch eine Oase
Braucht glücksselige Stunden
Einfach nur genießen im Spaße
All das habe ich im Cafe der Träume gefunden.

© Jürgen Rüstau

Peter „Cäsar“ Gläser im café esprit in Taucha

Aus dem Gästebuch café esprit
„Nicht alle glücklich sind die froh erscheinen.
Ich habe oft gelacht um nicht zu weinen.
Es war schön und angenehm bei euch.“
Peter „Cäsar“ Gläser am 19.4.2007

Peter „Cäsar“ Gläser (* 7. Januar 1949 in Leipzig; † 23. Oktober 2008 ebenda) war ein deutscher Rockmusiker. Als Gitarrist, Komponist, Bandleader und Solist durchlebte er eine wechselvolle Karriere und gehörte als Mitglied der Klaus Renft Combo und der Band Karussell zu den bekanntesten Musikern der Rockszene in der DDR. Nach knapp 25-jähriger Auseinandersetzung mit DDR-Behörden wurde Gläser Anfang 1989 nach West-Berlin ausgebürgert.

Mitternacht auf der Waldlichtung

Die heiße Sonne dieses Augusttages war erst verblasst und letztendlich mit seiner großen Show, so einfach untergegangen. Die blaue Stunde war über uns herein gebrochen. Meine Augen gewöhnten sich ganz langsam an die Dämmerung.
Menschen, welche hier noch vor einigen Stunden unterwegs waren, verschwanden hinter den Mauern ihrer Häuser. Die Einsamkeit der bevorstehenden Nacht breitete sich, erst ganz langsam, dann mit seiner ganzen Macht, unausweichlich aus. Zwei Männer tauchten mit zwei dazugehörigen Freunden, sichtbar als Silhouetten am Waldrand auf. Wie zu einer Prozession schritten sie in einigen Hundert Metern Entfernung aufeinander, ruhigen Schrittes zu. Der Anblick dieser vier Gestalten, vor der Kulisse der Waldlichtung, war gespenstisch und sie kamen sich immer näher.
Diese Situation nahm wirklich gespenstische Ausmaße an. Ihre Gesichtszüge waren wie in Stein gemeißelt. Hier ging es in dieser Augustnacht um Alles. Ihre Augen ließen nicht Geringeres erkennen. Sie waren am Ende ihrer persönlichen Auseinandersetzung angekommen. Ihren Augen war jeder Glanz entwichenen. Dabei waren sie einmal sehr gute Freunde, kannten sich seit längst vergangenen Kindheitstagen. Sie hatten viel gemeinsam gelacht und auch gemeinsam viele verrückte Dinge unternommen. Sie waren in ihren Spielen Blutsbrüder und jeweils der Eine konnte sich ein Leben ohne dem Anderen nicht vorstellen.
Seine ganz eigenen Gedanken gingen in diesen tragisch erscheinenden Minuten noch einmal zu glücklicheren Tagen zurück, an Tage, wo sie einmal eine viel geschworene Einheit waren, an denen der Streit nicht über allem stand. Es war eine wunderschöne Zeit, ohne sich gegeneinander weh zu tun. Wie war es soweit gekommen, dass sie sich aus eiskalten Blicken unversöhnlich anschauten? Keiner dem Anderen auch nur ein Zugeständnis machen wollte, keiner auch nur einen Zentimeter nachgeben wollte. Nun gut, Beide hatten sich in die gleiche Frau verliebt. Magdalena war das gemeinsame Ziel ihrer Wünsche, ihres Begehrens. Sie würde jetzt bestimmt in ihrem Bett nichts ahnend friedlich schlummern. Magdalena war das Begehren der beiden Freunde zwar schon aufgefallen und sie hatte manchmal darüber gelächelt und sich nichts weiter dabei gedacht. Sie hat sich über so manche angenehmen Züge dieser galanten Werbungen gefreut und hätte nie gedacht das dies so ausufern würde. Es hat sich für alle, nicht beachtenswert, über gegenseitige Wortspiele per WhatApp unsichtbar für andere Beteiligte entwickelt. Aus kleinen unbedeutenden verbalen Anfeindungen hatten sich im Laufe der Zeit immer mehr durchaus feindliche Attacken in die freundschaftlichen Beziehungen der beiden Freunde eingeschlichen. Dabei hatten sie vor nicht allzu langer Zeit alles gemeinsam mit Magdalena unternommen. Es war eine unbeschwerte Zeit. Es wurde viel gelacht und sie schienen immer unzertrennlicher. An Liebe war zunächst in keiner Weise zu denken. Aus zufälligen Berührungen ist wohl in den Köpfen der beiden Freunde mehr geworden. Auch Magdalena spielte in einer ihr unbewussten Art mit Beiden. Sie dachte sich dabei nichts und würde dieses Spiel, ohne einer Bedeutung beizumessen, gern fort setzen. Es war halt ein Spiel unter den jugendlichen Spielerin und unbedarft. Magdalena hatte sich über die Folgen keinerlei Gedanken gemacht. Sie war halt wie immer. Aber bei den beiden Freunden hat sich dieses Begehren nach Magdalena immer weiter hoch geschaukelt und von ihnen Besitz ergriffen.
Sie hatten sich, von Magdalena unbemerkt, in eine ausweglose Situation begeben.
Jetzt standen sie sich auf dieser nächtlichen Waldlichtung in ihrem Angesicht unversöhnlich gegenüber. Ein Plan war in ihren Köpfen gereift. Nach der nun einsetzenden vollkommenen Dunkelheit breitete sich nun auch noch die Stille der Nacht aus. Das Zwitschern der Vögel war schon lange verstummt. Es war kühler geworden und der Atem der Freunde war nun auch sichtbar geworden. Als ein Kautz in die Stille der Nacht seinen Schrei schmetterte, lief Beiden ein Schauer über den Rücken. Erst jetzt wussten sie um die Sinnlosigkeit ihrer Unternehmung.
Aber ein Zurück gab es in dieser Situation nicht mehr. Sie wollten dies hier und heute beenden, komme es was wolle. Sie waren fest entschlossen. Wenn nötig sollte auch Blut fließen.
Und es kam das was kommen musste. Sie wollten sich um Magdalena, welche nichts ahnend in ihrem Bett lag, oder war sie vielleicht in die Diskothek gegangen, um sich zu amüsieren. Denn sie war jung und hatte für solche pubertären Spielchen keinerlei Lust. Vielleicht hat sie aber auch wirklich geschlafen und träumte von dem einen oder anderen Spaß mit den beiden Freunden. Aber wer weiß dies schon.
Sie standen sich auf dieser nächtlichen Waldlichtung unversöhnlich gegenüber um sich zu duellieren. Die Sekundanten stellten den Freunden die Frage nach der Waffe. An den Gegner des Herausforderer ging die Frage nach der Wahl der Waffe.
„Du hast die Wahl der Waffe für dieses Duell, welche Waffe wählst Du?“
Von diesem kam ein Wort welches die gesamte Situation auf den Kopf stellte:
„KREUTZWORTRÄTSEL, wir machen ein Kreuzworträtsel, und wer dieses löst, darf von Magdalena eine Entscheidung erwarten, wer und ob überhaupt einer von ihnen der Auserwählte von Magdalena werden durfte“.
Sie rätselten zwei Tage und zwei Nächte und hatten den Rätselsieger erkoren.
Nur Magdalena bekam nicht so viel davon mit, den in ihrem Übereifer im Werben um sie, hatten sie den dritten Bewerber übersehen.
Wenn sich zwei streiten gewinnt auch manchmal der dritte.
So ist es nun manchmal im Leben, wenn man mit sich selbst beschäftigt ist, sieht man manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht und auch nicht was im Wald so alles vorgeht.

© Jürgen Rüstau

Immer wenn Schnee fällt

Immer wenn Schnee fällt muss ich an dich denken.
Denken an eine wunderschöne Nacht,
erfüllter Träume und erweckter Leidenschaft.
Von uns gänzlich unbemerkt fiel der erste Schnee des Jahres.
Er deckte alles zu.
In gewissem Sinne auch uns.
Als der Tag zu erwachen begann, wir unsere Augen öffneten
standen wir minutenlang eng umschlungen am Fenster,
bestaunten diese weise Pracht.
Schnell war dieser Schnee von den Straßen verschwunden,
genauso wie uns der Alltag verschlang.
Dein Bild in meinem Herzen war mit dem Schnee getaut.
Aber immer, wenn es schneit muss ich an dich denken.
Ein Lächeln überzieht mein Gesicht,
erwärmt mein Herz.
Ich glaube,
diese Wärme lässt dein Bild im Schnee entstehen.
Heute hat es wieder geschneit.
Ich weiß,
heute werde ich dich auf jedem Fall anrufen.
Der Schnee hat die Erinnerung an dich erweckt.
Liebe und Leidenschaft.
Dieses reine Weiß bringt es an den Tag.

© Jürgen Rüstau

Neben der Zeit

Der Song „Neben der Zeit“ komponiert und interpretiert von Julia Lehne & Norman Dassler. Text Jürgen Rüstau

Neben der Zeit

Manchmal stehe ich vor Dingen,
welche ich schon mal gesehen.
Tagträume in Erinnerungen schwingen,
Leben im Voraus geschehen.

Manchmal komme ich zu Orten,
nie dort gewesen, doch erlebt.
Erinnerungen in den schönsten Worten,
ein Herz, welches zeitlos schwebt.

Manchmal stehe ich im Leben,
irgendwo, in einer anderen Zeit.
Glücksmomente zu erstreben,
Leben ohne Trist und Einsamkeit.

Manchmal geht dann meine Reise
in ein nicht gekanntes Land der Träume.
Planlos führen meine Lebensgleise,
berühren von der Zeit vergessene Räume.

Manchmal möchte ich einfach bleiben
auf den Spuren neben meiner Zeit.
Mich an deiner Seele reiben,
zeitlos in Unendlichkeit.

© Jürgen Rüstau

Paradiesvögel

Wir sind so verschieden wie Wasser und Feuer,
doch ein Leben in Schablonen ist uns nicht geheuer.
Wir leben unser Leben aus, weit über dessen Grenzen.
Machen’s uns nicht leicht, mit allen Konsequenzen.

Ein Leben aus dem Vollen, immer auf der Flucht.
Das Glück nie gefunden, obwohl immer gesucht.
Machen vieles gemeinsam
Sind doch meist einsam.
Tun uns gegenseitig weh, sind egoistisch sensibel,
am Rande der Hölle, im Charakter penibel.

Brauchen Geld, gar keine Frage.
Machen die Nächte fast immer zum Tage.
Schöpfen aus dem Brunnen des Lebens in vollen Zügen.,
Wollen sein die Cleveren sein, niemals die Müden.
Liebe und Hass, so eng in einem Raum,
Ich sehe‘ einen Strick schon am höchsten Baum.

Lieben das Leben, Kunst, Malerei.
Werden kaum älter, sind einsam und frei.
Auf der Suche nach dem Paradies.
Wir werden es nie finden.
Ein Leben im Vollrausch verweht in den Winden.
Paradiesvögel sperrt man nicht ein,
wir werden immer nur Paradiesvögel sein.

© Jürgen Rüstau

Vernunft

Ich möchte einfach nur Frieden,
in meinem Herzen und auf der ganzen Welt
Einfach unendlich lieben
Den Lichtschein sehen der alles erhellt.

Ich möchte mich bewegen in Menschenmassen
Ohne mich und meine Liebsten zu verlieren
Gehen durch Straßen und Gassen
Nicht in sozialer Kälte erfrieren.

Ich möchte einfach nur weltweit kommunizieren
Ohne von Hetze geplagt
Durch die weltweiten Netze spazieren
Nur freundliche Worte werden gesagt.

Ich träume es wird nirgendwo mehr gehetzt.
Terror gibt’s nicht, böse Worte kaum
Menschen werden nie getötet und verletzt
Leider war dies nur ein Traum.

Epidemien bestimmen unsere Zeit.
Die Menschheit kann sich nur selbst befreien,
leider sind dazu nur nicht alle bereit.
Vernunft kann keiner sich leihen.

Überall auf der Welt gibt es Kriege
Der Terror engt uns in allem ein
Verzeichnet die Vernunft eigentlich noch Siege?
Ist unser eigenes Gewissen noch rein?

© Jürgen Rüstau

Anka und die Strumpfsohlen Connection

Es war Samstag Morgen. Ich holte Anka zu Hause ab. Was machen wir heute, fragte Anka auch gleich ungeduldig und neugierig?
Einen Moment noch. Ihr kennt ja Anka noch gar nicht? Was müsst ihr über Anka wissen, noch ehe ich mit ihr auf eine Fahrt in die blühende wunderschöne Dübener Heide gehe.
Ja, Anka, sie ist meine Muse, meine Liebe und mein Hafen zu dem ich immer wieder zurück kehre. Sie ist mein Leben…

Mein Blick hat sich an dir festgesogen
Kann nicht mehr wegschauen
Stehe wie unter Drogen.
Schaue wie verzaubert in dein Gesicht
Gedanken Blitze verwirren.
Du bist die Muse für mein neues Gedicht.
Dieses Gedicht, das handelt von dir.
Träume der Liebe wandeln vom ich zum wir.
Augen haben sich ineinander fest gekrallt.
Liebes,
mit dir würde ich gern gemeinsam alt.

So viel zu Anka. Was ihr noch wissen solltet, sie liebt Kekse und Kuchen über alles und das bei einer kompakten Körpermasse von knapp über vierzig Kilogramm. Also, Kekse und Kuchen tun dem Krümelmonster überhaupt nichts an.
Ich schaute ihr in ihre großen Augen und sagte, wir fahren in die Heide. Sie schaute mich ungläubig an. Du meinst wir fahren zu Heidi, kenne ich die? Nein Anka, kennst du noch nicht aber wir fahren in die Heide. Das ist ein Natur Gebiet rund um Bad Düben und das heißt so weil dort die Heide von August bis September blüht und diese Pflanzen werden vielfach auch Erika genannt. Jetzt schaute sie mich noch dümmlicher an. Sie hielt nur einen Moment inne, dann schoss es aus ihr heraus. Lachend sagte sie, du kennst ja doch eine Menge Frauen. Heidi und Erika und ihr Lachen schien unendlich das ganze Auto zu beschallen.
Die Fahrt ging los.
Wir verließen gut gelaunt die Stadt in Richtung Bad Düben. Als wir die Wälder erreichten, sagte ich zu Anka, hier beginnt schon die Heide.
So schnell ist die Zeit vergangen und wir sind schon in dieser Heide, stellte Anka fest.
Als wir diesen malerischen Heide Ort erreichten, hielt ich bei einer Bäckerei an. Ich hole uns etwas Proviant, sagte ich zu Anka und verschwand im Laden. Sie wartete ungeduldig im Auto auf meine Rückkehr. Mit einem großen Packet kam ich zu ihr zurück. Was hast du da für uns eingekauft, fragte Anka auch gleich. Ich sagte, alles für mich und grinste. Sie fand das nicht zum Lachen.
Ich habe mir eine Erinnerung an meine Kindheit gekauft und legte ein süßes Teil auf das Armaturenbrett vom Auto. Sie staunte und fragte was das sei. Das sind Strumpfsohlen, sagte ich ihr. Anka staunte wortlos, dann fragte sie, warum heißen die Strumpfsohlen? Erinnerst du dich, als du bei mir im Wohnzimmer gelaufen bist und Löcher in den Strümpfen hattest?
Oh, das war mir aber so etwas von peinlich, sagte Anka schnell und wurde puderrot im Gesicht.
Siehst du, die gleichen Gedanken hatte der Heide Bäcker vor sehr vielen Jahren.
Woher wusste er von den Löchern in meinem Strümpfen? Anka schaute mich unsicher an.
Er wusste es natürlich nicht aber er hatte die gleichen Erfahrungen gemacht und wie die Strümpfe aussahen stellte er seine Gebäckstücke her, ein Backwerk aus Hefeteig mit viel Streuseln und viel Puderzucker. Auf den Boden legte er Pflaumen aus und so sah es dann aus wie eine Sohle mit Löchern. Die Strumpfsohle war geboren und wurde auch unter diesen Namen verkauft.
Und diese lag nun bei uns auf dem Armaturenbrett. Andere sagten, sie seien vor langer Zeit zu Ehren der heiligen Hedwig, deren Grab im Rahmen einer Wallfahrt besucht wurde. Daher sind sie auch als „Hedwigsohlen“ bekannt.
Die heilige Hedwig war Herzogin von Schlesien, half den Armen und lief das ganze Jahr barfuß. Noch eine Frau, stöhnte Anka und verdrehte die Augen. Ich musste lachen und Anka stimmte mit ein.
Bevor wir die Heide erreichten legten wir an der Burg Düben einen Zwischenstopp ein. Sie erhebt sich auf einen kleinen Hügel rechts der Mulde direkt an deren Ufer. Jetzt beherbergt sie ein Landschaftsmuseum und dokumentiert das Leben von Hans Kohlhase, einem rebellischen Kaufmann.
Anka war plötzlich ganz aufgeregt. Die Mulde, die kenne ich, auf der sind wir einmal mit dem Schlauchboot geschiffert.
Ja, ich weiß. Wir sind damals von Leisnig nach Grimma, mit dem Schlauchboot gefahren. Es war ganz schön lustig und es war sehr wenig Wasser in der Mulde. Wir mussten einige Male das Boot anschieben. Vierzehn Tage später war es soviel Wasser das der Fluss über die Ufer trat, wahnsinnig viele Schäden anrichten und viel Leid über die Anwohner brachte.
Ja, ich erinnere mich, sagte Anka. Wir machten auch ein Picknick am Ufer und übernachteten in einer Jugendherberge am Rande der Mulde. Da ging sogar noch ein Bild von Erich Honecker und das viele Jahre nach der Wende.
Fein gemerkt, sagte ich und war stolz auf die Kleene. Das war aber auch wirklich eine schöne Tour. Genau wie heute, dachte ich.
Anka schielte aber ungeniert auf die leckeren Strumpfsohlen. Wann essen wir die endlich, fragte sie und als Antwort knurrte laut mein Magen.
Kurze Zeit später hielt jeder ein solches Backwerk in der Hand und wir bissen in das uns anlachende süße Teil. Anka hatte den ganzen Puderzucker über das Gesicht verteilt und sah so noch süßer aus als sonst.
Nun gestärkt ging es auf in die Heide.
Anka und die Heide, gepaart mit Strumpfsohlen, eine nicht zu toppende Alternative, eine wahrlich Strumpfsohlen Connection.

© Jürgen Rüstau

Die Straßen meiner Kindheit

Die Straßen meiner Kindheit

Die Eisenbahnstraße im Osten von Leipzig.
Die BILD Zeitung bezeichnet sie heute als eine der schlimmsten Straßen in Deutschland.
Die Stadtverwaltung Leipzig ist nicht ganz unschuldig an dieser Lage. Viele Zugereisten wurde Wohnraum in runter gekommenen Wohnbebauunģen angeboten. Es erfolgte eine hohe Konzentration an Menschen aus aller Herren Länder und damit auch einige zwielichtige Zeitgenossen. Das Ergebnis Ghettosierung und Kriminaltätshochburg. Es entstanden allerdings auch eine ganze Anzahl interessanter Geschäfte.
Dieses Gebiet macht aber auch mit Gewalt und als Drogenumschlagplatz immer wieder Schlagzeilen in der Presse. Heute ist sie eine ausgewiesene Waffenverbotszone. Dies war nicht immer so.
Wir besaßen früher nur Katapulte und Schwerter aus Holz.
Zwischen Rabet, Eisenbahnstraße (damals Ernst Thälmann Straße), Torgauer Platz und Marianen Park, dass war mein Kiez, die Tummelplätze meiner Kindheit. Eigentlich hatten wir in den fünfziger Jahren fast nichts. Ein paar Jahre nach dem schlimmen Weltkrieg begann sich aber das Leben langsam wieder zu normalisieren.
Die Wunden des Krieges waren immer noch hier und da sichtbar. Wir als Kinder machten das Beste daraus, hatten gefährliche Abenteuerspielplätze. Das Leben in der DDR war damals grau und trist. Trotzdem hatten wir eine bunte Kindheit, die es bis ins jugendliche Alter zu erforschen galt. Und dabei gab es doch viel mehr als wir uns heute und vor allem die heutige Generation, vorzustellen vermag. Wenn ich meine Erinnerung wach rüttle gab es doch ein buntes Geschäftsleben mit vielen Höhepunkten für uns Kinder. Nehmen wir bloß einmal die Geschäfte in unserer Augenhöhe. Süßigkeiten Läden, wie die alte Frau Lange in der Hedwig Straße, ließen Kinderaugen leuchten.
Es waren die Kleinigkeiten die wir begehrten. Wir waren bescheiden, hielten uns fast den ganzen Tag, wenn es das Wetter zuließ, draußen auf. Dort waren wir natürlich auch meistens wenn es das Wetter nicht zuließ. In den Wohnungen hielt uns nichts. Wir hatten noch keinen Fernsehapparat, Computer waren noch nicht erfunden. Auf den Straßen konnte man wunderbar spielen, denn Autos störten uns auf den Nebenstraßen kaum. Kinderbanden spielten ihr ungefährliches Spiel. Da kann ich mich noch sehr gut an den Tauchscher Brauch erinnern, der von Taucha aus, bis in die östlichen Leipziger Vororte seinen Lauf nahm. Als Indianer oder Cowboys angeputzt gab es Krieg. Ludwigstraße gegen Mariannenstraße. Die kindlichen Kämpfe tobten. Laubhaufen brannten. Ein Riesengaudie jedes Jahr im September.
Als wir etwas älter wurden, die Schulzeit begann und wir unseren Aktionsradius in den Rabet Park und den Marianen Park ausdehnten, wurden wir noch weniger in Wohnungsnähe gesehen. Aber auch das unbeschwerte Toben war ein wenig eingeschränkt. Wir hatten jetzt unabdingbare Schulpflichten. Es ging allerdings viel ruhiger und entspannter als in der heutigen Zeit zu. Trotzdem waren wir nicht dümmer. Wir hatten viel mehr als heute unsere kleinen Freiheiten. Ich erinnere mich gern, wenn wir unser Schulmaterial mal nicht ordnungsgemäß zusammen hatten gab es früh immer noch eine Möglichkeit nicht aufzufallen. In der Hedwigstraße gab es ein kleines Schreibwarengeschäft, Klare. Hier konnten wir früh vor der Schule klingeln und das Vergessene noch kaufen. Dies war eigentlich ein Ausdruck für die Gemütlichkeit dieser Zeit. Überhaupt gab es in unserem Kiez viele Geschäfte. Je älter wir wurden wuchs auch unser Interesse daran. So gab es zum Beispiel allein in der Eisenbahnstraße drei Kinos, viele Eisdielen, ein Hallenbad und was uns dann später interessierte, wahnsinnig viele Kneipen.
Aber auch andere Erinnerungen prägten diese Zeit. Wir hatten drei Bibliotheken in unmittelbarer Nähe. Ich glaube, ich habe sie damals alle ausgelesen. Es gab auch damals noch richtige Winter. Die Schulen hatten mal keine Heizmittel und der normale Schulbetrieb musste eingestellt werden. Unsere Klasse wurde aufgeteilt und wir hatten in kleineren Gruppen Behelfsunterricht in einigen Wohnungen. Heute würde der Unterricht total ausfallen, da ja auch noch die Lehrer fehlen würden. Wenn man den ganzen ideologischen Quatsch weg lässt, hat man uns dennoch eine sehr gute Allgemeinbildung vermittelt. Vor allem hatten wir genügend Zeit auch unsere Kindheit auszuleben, einfach Kind zu sein.
Dieser Kiez, mit Hunderten von Geschäften hat uns geprägt und wir schlitterten völlig unbeschwert in unsere Jugendzeit. Kneipen und Mädchen erweiterten unseren Horizont.
Ein Fischbrötchen für dreißig Pfennig, kurz vor dem Kinobesuch im Wintergarten, konnte man im Imbiss Bauer, gleich neben dem Kino, verspeisen. Herr Bauer, ein freundlicher dünner Mann, der die Hosen an seine energische Ehefrau abgegeben hatte, war ständig mit dem Fahrrad unterwegs. Geduldig holte er Brötchen als Nachschub und belegte sie mit Hering, Brathering und Lachsersatz und vielen Gewürzgurken und Zwiebeln. Seine Frau, welche das Sagen hatte, verkaufte sie im winzigen Laden an uns. Dazu ein Bier oder Limo mit Schnappverschluss der Marke Bauer machte den Genuss vollkommen. Das war nicht nur ein normaler Laden, dass war eine Institution.
Allerdings, wenn man dann noch mit einem Mädchen ins benachbarte Kino wollte – das knutschen konnte man bezüglich der leckeren Fischbrötchen vergessen.
Die Geschäftspalette dieser Straße war unendlich. Viele Bäcker, Fleischer, Gockelbar, Inge Fix, Optiker Maul und und und. Und wir waren in der glücklichen Lage, auf unserem Kietz hatten wir zwei Musikalien Geschäfte. Tappert und Forsche. Hier gab es unter dem Ladentisch immer etwas für uns auf die Ohren. Die Partys waren gesichert!
Tappert gab es bis zum Ende der DDR und ich glaube auch noch eine Weile länger. Für Forsche war Ende der Siebziger Jahre Schluss. Devisenvergehen sagte damals die Staatsmacht.
Wir versammelten uns in den zahlreichen Kneipen zu zahlreichen Diskussionen unter vorgehaltener Hand. Die Kneipen hatten uns erobert. Wenn man in jeder Kneipe nur ein kleines Bier getrunken hätte, wäre man am Ende des Tages hoffnungslos betrunken. Eine schöne Zeit, das Erwachsen werden. Man konnte sich richtig austesten. Was man sich früher auf der Straße oder in den Parks aufhielt, verbrachte man jetzt viel Zeit in der Kneipe. Wir waren eben ostdeutsche Achtundsechziger. Ich war sehr viel im „Kulmbacher Hof“ bei Herbert oder im „Goldenen Löwen“ bei Moni und Norbert. Es wurde politisch diskutiert, was in dieser Zeit nicht immer leicht war. Diese wunderschöne Zeit endete meist wenn man eine Freundin hatte.
Aber die Erinnerungen bleiben…

Die Straße meiner Kindheit

Ich laufe heute träumend durch die Straße meiner Kindheit,
mit einem lachenden und einem weinenden Gesicht.
Alte verfallene ehrwürdige Häuser,
aus denen die Vergangenheit spricht.
Die damals gepflanzten Bäume werfen Schatten und sind alt.
Ich und meine Träume wurden hier geboren,
diese Erinnerung lässt mich nicht kalt.
Mancher Streich wurde hier auserkoren,
war das erste mal richtig in Nachbars Christine verknallt.
Von den Träumen zehre ich noch immer,
der Drang sie zu erfüllen,
wird Jahr für Jahr schlimmer.
Die Geschäfte meiner Kindheit gibt es nicht mehr.
Der Süßigkeiten Laden an der Ecke,
ist verfallen und leer.
Hier war ich ein glückliches Kind.
Keiner meiner Freunde wird hier mehr leben.
Sie wurden in alle Himmelsrichtungen verstreut,
wie Blätter im Wind.
Trotzdem war es wieder mal schön hier zu sein,
fühlte mich hier gleich wieder wohl.
Wäre gern noch mal hier und klein.

© Jürgen Rüstau