Anka’s Resümee

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Die Tür war hinter Peter ins Schloss gefallen, leise besinnlich.
Auch sie wollte diesen Abend nicht mit einem dumpfen Knall beenden, sondern es klang eher nach einem sanften aufatmen.
Ich ließ mich in den Sessel fallen, legte meine Füße hoch und lächelte nur so für mich.
Was ich den gesamten Abend, warum auch immer, nicht getan hatte, ich tat es jetzt.
Ich zündete mir eine Zigarette an und zog genüsslich an ihr, blies den Rauch aus mir heraus und beobachtete ihn, wie er sich im Zimmer verteilte. Dabei gingen zum Zigarettenqualm meine Blicke quer durch den ganzen Raum.
Ja, sagte ich zu mir, ich kann mit dem, was ich in den letzten zwei Tagen erreicht habe zu Frieden sein. Mein Wohnzimmer war richtig gemütlich geworden und es hatte mit dem Besuch meines neuen Nachbars, seine Feuertaufe bestanden. Er war ja wirklich ein Netter.
Eigentlich hatte ich den nur den ganzen Abend geredet, ihn kaum zu Wort kommen lassen.
Er hat zugehört, verständnisvoll genickt und hier und da eine kurze Bemerkung gemacht.
Also, ich hatte ihn zu geredet, habe von ihm noch nichts in Erfahrung bringen können, außer, dass er Peter heißt und einen kleinen Tabak-Shop in der Randcitylage hatte.
Mehr wusste ich wirklich nicht über ihn.
Das nächste mal, sagte ich auf einmal laut und war selber darüber erschrocken, das nächste mal, werde ich ihn ein paar Dinge fragen.
Obwohl die Pizza doch lecker war, bekam ich Hunger, einen unersättlichen Hunger nach süßen Sachen.
Ich bin halt ein Schleckermäulchen, wie meine Mutter immer zu sagen pflegte.
Also ging ich auf die Suche nach den süßen Dingen des Lebens, eins hatte ich ja nun heute schon kennen gelernt. Ups, hatte ich mich doch gerade dabei erwischt, eine Feststellung zu treffen.
Egal, die Suche nach den weiteren süßen Sachen des Lebens war mir im Moment wesentlich wichtiger.
Da fand ich sie auch schon, K e k s e, die fast zweitwichtigsten Dinge in meinem Leben. Diese ließen das wichtigste in meinem Leben, Sex, momentan in den Hintergrund treten.
Also, Kekse, ich hatte diese bunte Schachtel mit dem leckeren Inhalt endlich gefunden. Ich riss sie auf, feines, zartes Gebäck, mit einer hauchdünnen Schicht Vollmilchschokolade überzogen.
Den ersten legte ich auf meine herausgestreckte Zunge und ließ die köstliche Schokolade auf ihr zerlaufen.
Als ich die Glasur in mir aufgesaugt hatte, zerbiss ich den Keks schnell, um dieses schöne Spiel wieder von vorn beginnen zu können.
Das ganze glich einer Zeremonie.
Ein krümelnder Orgasmus! Ich war mit mir und der Welt sehr zu Frieden. Ich hatte die Einrichtung meiner Wohnung, bis auf kleinere Dinge, geschafft, hatte einen tollen Abend und hatte in diesen ersten Tagen in dieser vernichtend großen Stadt einen neuen Freund gefunden, Peter.
Das Leben kann so schön sein, rief ich laut und begann mir ein Bad einzulassen.
Ich wollte nun, nach meiner Keksorgie meinen Körper nicht zu kurz kommen lassen und freute mich auf ein entspannendes Bad, weit nach Mitternacht.
Es war mein erster Sonntag in dieser großen Stadt angebrochen.
Für diesen Sonntag hatte ich mir sehr viel vorgenommen. Gestern hatte ich schon beim Einkaufen die Kirche entdeckt, die ich zum Sonntaggottesdienst aufsuchen wollte, nur ein paar Schritte von meiner Wohnung entfernt.
Dann musste ich noch unbedingt meine Mutter anrufen, die bestimmt schon sehnsüchtig auf meinen Anruf wartete.

Aber jetzt wartete erst einmal das Bett auf mich. Ich steckte meine Nase wollüstig in die frisch bezogenen Bezüge, kuschelte mich darin ein und schlief sofort, ohne noch einmal über alles nachdenken zu können.

Der Sonntag.

Als ich gegen Acht aufwachte war es noch gar nicht richtig hell. Ich saß traumversunken auf der Bettkante vor meinem Kleiderschrank.
Diesen hatte ich gerade mit meinem Fuß vom Bett aus geöffnet, starrte in ihn hinein, ohne zu wissen, was ich eigentlich anziehen sollte. Das wiederum muss eine ganze Weile gedauert haben, denn meinen nackten Körper überzog ein Frösteln welches mich zum Zittern brachte.
Mit der einen Hand suchte ich nach einen Pullover, mit der anderen nach meinen Zigaretten.
Beides hatte ich gleichzeitig in der Hand, musste also die Zigarette noch einmal weglegen, weil zu frieren unangenehmer war als der Tabakentzug.
So zog ich mir den Pullover über den Kopf und griff in dem Moment, als die Hände den Ärmel verließen sofort wieder nach der Zigarette, brannte sie an und machte einen langen Zug.
Von nun an pendelte ich hektisch zwischen Küche und Schlafzimmer um einmal die Kaffeemaschine in Betrieb zu setzen. Zum anderen meine Kleidungsstücke zusammen zu stellen und wiederum abwechselnd an meiner Zigarette zu ziehen und Kekse in mich hinein zu schieben.
Wenn mich jemand dabei beobachten würde, er käme aus dem Lachen nicht mehr heraus.
Das tat er auch, der alte Mann am Fenster gegenüber.
Er lachte.
Mein Gott, ging es mir durch den Kopf, ich hatte ja keine Gardinen und jeder konnte mich so sehen wie ich nun einmal bin.
Das war mir im Moment auch egal, ich lächelte zurück, verschwand flugs im Schlafzimmer, um nun endlich in die Sachen zu kommen.
Schnell noch Zähne putzen und ab in die Kirche.
Beim Zähne putzen fielen mir noch die schönen Worte über Hoffnung, Glaube und Liebe ein und rezitierte sie laut vorm Spiegel, beobachtete
dabei die Wirkung, die sie in meinen Gesichtsausdruck hinterließen:

Hoffnung, Glauben, Liebe.
Einfach nur Worte?
Hoffnung?
Ich hoffe auf die Beständigkeit
im Leben.
Ich hoffe auf Gesundheit,
auf Frieden, auf Glück.
Glaube?
Ich glaube an Gott.
Ich glaube an Freundschaft,
an Ehrlichkeit im Menschen.
Liebe?
Du bist für mich
Glaube und Hoffnung gleichzeitig.
Du bist mein Leben,
meine Liebe.

Die Kirche, sie war eine sehr große Backsteinkirche, in der Art, wie ich sie im Norden gewöhnt war. Eben nur nicht so groß. Die Stufen zur Empore knarrten, wie in jeder Kirche. Ich nahm mir ein Gesangbuch und setzte mich in die erste Reihe. Von hier aus hatte ich einen guten Blick auf den Altar und die Kanzel.
Der Organist setzte mit den ersten Takten der Musik ein, mich durchströmte eine Wärme und innere Zufriedenheit, wie ich sie schon lange nicht mehr in dieser Form erlebt hatte.
Ich fühlte mich zu Beginn des Gottesdienstes in dieser großen Stadt das erste mal richtig geborgen.

Jetzt wusste ich, dass ich in dieser Stadt angekommen bin.

© Jürgen Rüstau

Gegenstände

Ich wäre so gern ein Gegenstand in deinem Raum,
ein Tisch, ein Stuhl oder auch dein Gummibaum.
Wäre immer in deiner Nähe,
täglich ich dich dann auch sehe.
Du würdest an mir,
auf mir sitzen.
Mich gießen und mit Wasser bespritzen.
Möchte sein dein Bett,
du würdest in mir liegen.
Als Wanduhr kommt nach Sex auch Sieben.
Als Lampe könnte ich deine Erleuchtung sein.
Vielleicht dein Glas,
deine Lippen trinken aus mir den süßen Wein.
Würde auch dein Fernsehprogramm gern machen,
brächte dich täglich zum Weinen oder Lachen.
Wäre gern an dir als deine Kleidung.
Du müsstest mich anschauen,
mich als deine Zeitung.
Ach es gäbe so viele Gegenstände,
die ich könnte bei dir sein,
Allerdings lieben könnten dich die Gegenstände nicht,
denn Liebe dir geben könnte allein nur ich!

© Jürgen Rüstau

Ein Hauch von Sommer – „Glucks“

„Gut gelaunt gemischt“ steht auf der Flasche (0,33 Liter) von GLUCKS, einem naturtrüben Radler(2,5% Alk.), einem Durstlöschenden Getränk für lange Sommerabende. Mit dem feinen Geschmack nach Bier und Zitrone 🍋🍋.
Erfrischend gut. Also zum Wohl mit GLUCKS.
Auch wenn heute Abend noch kein Sommerabend stattfindet, ein eiskaltes GLUCKS werde ich doch einmal testen.
Auf die zukünftigen Sommerabende. GLUCKS👍
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Erlebtes – Leipzig’s Wasserwege

Begonnen nach dem 1. Weltkrieg, wurde ein Riesenbetonwerk am Ende des Kanals in die Landschaft gesetzt. Mit dieser Schleuse sollte der Höhenunterschied im Gelände zwischen dem jetzigen Ende des Elster-Saale Kanal auf Höhenniveau gebracht werden. Der 2. Weltkrieg verhinderte die Fertigstellung. Danach hatte die DDR keine Kapazität und im vereinten Deutschland ist es vergessen wurden. So blieb die Bauruine ohne Anschluss mitten im Gelände stehen. Unerschütterlich deutsche Wertarbeit. Es gibt nicht weniger Menschen, welche sich einen Weiterbau vorstellen könnten. Bis zur Saale sind es bloß 7,5 Kilometer und ein schiffbarer Wasserweg wäre vom Leipziger Neuseeland über den Elster-Saale Kanal, über Saale und Elbe bis zur Nordsee möglich. Sind wir gespannt!

Ein Hallenser erinnert sich:
„Da steht so ein Riesending aus der Nazi-Zeit auf dem Acker und keiner weiß so richtig, was das ist“, hatte ihm ein Freund aus Merseburg erzählt. Eines Tages schaut Dirk Becker selber nach. Er fragt sich bei den Leuten im Dörfchen Wüsteneutzsch durch und steht plötzlich am Fuße eines gigantischen Betonkolosses: „Ich sag‘ mal, ich habe damals schon erkannt, dass es eine Schleuse sein soll. Nur sind wir hier zwei Kilometer weg von der Saale, egal wie ich mich hochrecke und strecke, ich sehe kein Wasser weit und breit“, so erzählt der Hallenser lachend, wie er vor nunmehr 15 Jahren eine Entdeckung machte, die sein Leben verändern sollte.“
Aus Lost Place: Wie eine Schleusenruine aus der NS Zeit Touristen begeistern soll.
(MDR 2022)

Müllhalde der Gefühle

Ich nehme alles in mir auf.
Gefühle, Sehnsüchte und Kummer,
wähle nur die dir bekannte Nummer.
Lade bei mir ab deine Sorgen.
Ich baue dich wieder auf bis zum nächsten Morgen.

Lade nur ab den Müll der Gefühle,
setz dich mir gegenüber auf einen der Stühle.
Erzähle, erzähle. Ich höre geduldig zu.
Erleichtert gehst du,
deine Seele hat wieder Ruh.

Auf diese Müllhalde kannst du alles bringen.
Tränenleere Augen, gebrochene Herzen.
Gleich hinten links,
die Halde für besonders starke Schmerzen.

Habe keine Gefühle, bin nur des Kaspers Sohn.
Ein Glas Wein ist mein biederer Lohn.
Fülle noch einmal mein Glas.
Bittere Tränen machen allein keinen Spaß.

Hört mir mal jemand zu, wenn meine Gefühle verletzt?
Hilft mir jemand, wenn mein Körper gehetzt?
Willst du den Müll von meiner Seele probieren?
Hilfst du mir, sie zu kurieren?

Antworten bringt am Ende nur die Zeit und der Wind,
Antworten,
welche leider keine Lösungen sind.

© Jürgen Rüstau

Du bist dem Himmel so nah

Lippen welche unverständlich lallen
Engel, die ins Unendliche fallen
Träume, die sich nicht erfüllen im Leben
Ich wollte dir, in ihm, doch alles geben.

Schritte zwischen Gehen und Schwanken
Worte die im Lügengeflecht ranken
Dem Teufel im Blick
Sein Biss ist fest in deinem Genick.

Du stehst im Fenster ganz oben im Haus
Komm wieder da runter, komm wieder da raus
Was ich schon seit Jahren kommen sah
Du bist dem Himmel so nah.

Komm wieder ins Leben, dort bist du zu haus
Verjage den Teufel wie eine winzige Maus
Teile mit mir deine Sorgen, denn dafür bin ich da
Beginne wieder zu leben, du warst schon dem Himmel so nah.

Jürgen Rüstau 2015

Blumenwiese im Wald


Waldlichtung bei Pausitz (Wurzen)

Das Leben kann doch so schön sein.
Alle meine Träume passen in dein Herz hinein.
Du bist der Wächter von diesen Träumen
Inmitten eines Waldes mit rosaroten Bäumen.

Irgendwann haben wir uns dort gefunden
Verbringen träumend unsere schönsten Stunden
Der Wald reicht von hier bis an’s blaue Meer
Diese Bilder im Kopf gebe ich nie wieder her

In grünen Wiesen kann ich mit dir versinken
Bunte Blumen leuchten und blinken
Weißt Du noch wo diese Blumenwiese ist, wo der Wald?
Dieser Duft bringt Herzenswärme, wird nie kalt

Wir haben gemeinsam diese Farben entdeckt
Haben wie Bienen Honig geschleckt
Unsere Liebe hat sich daran genährt
Mein Herz hat mir diese Farbenpracht gelehrt.

Du hast die Liebe wieder neu an gestrichen
Ich bin in der Seele ausgeglichen
Mit Farben welche das Rot der Liebe erhellen
Warum sollte ich dies nur in Frage stellen?

© Jürgen Rüstau

Tür in die Nacht

Es schließt die Tür hinter mir.
Bin ich vergessen?
Dabei war ich ein Leben von dir besessen.
Nun sitze ich auf einer Bank
in der Ruhe der Natur im Friedwald und lass mich treiben.
Mal ist mir heiß, Mal ist mir kalt.
In meinen Gedanken
habe ich mich in mir und dir, in meinem Leben verloren.
Ich hatte nur dich zum Leben auserkoren.
Doch das Leben ist manchmal so hart und auch so ungerecht.
Mir geht es jetzt seelig so schlecht?
Was ich auch mache, wohin du und ich auch gingen, wo immer wir uns bewegten.
Wo sind die Höhen, wo die Tiefen auf all diesen Wegen?
Manchmal möchte ich und kann ich es leider nicht begreifen.
Warum kann ich nicht gemeinsam und lachend mit dir durchs Leben schreiten?
Warum nur, warum ist das Leben nicht leicht?
Eine Antwort in meinem Hirn, die mir einfach nicht reicht.

© Jürgen Rüstau

Denkende Leere

Ich sitze hier allein und kann nicht denken.
Versuche den Drachen der Liebe
um deinen Körper zu lenken.
Zum Schreiben fehlen mir die Worte.
Wann gibt es wieder frische Erdbeertorte?
Denkende Leere.
Ich versuche Hoffnung und Schicksal zu verbinden.
Gibt es eigentlich Pfefferminz-Erdbeer-Schinken?
Denkende Leere.
Wie war es gestern Abend,
die Erinnerung ist erloschen.
Hab ich von meinen Hundert Mark noch einen Groschen?
Denkende Leere.
Das Telefon klingelt,
wer ist wohl dran?
Meine Liebste natürlich,
was ich wohl Anderes denken kann!
Lehrendes Denken.

© Jürgen Rüstau 1999

Wenn ich an die Liebe denke…

Wenn ich an die Liebe denke
Meiner Lebenszeit im Rausch der Sinne
Die Erinnerung nur an dich verschenke
Im Fluss der Gefühle dann rinne

Rinne durch meinen Lebensfluss
Blut in den Adern pocht und fließt
Zeigt mir den Anfang und den Schluss
Jedem Spross aus dem die Liebe sprießt

Lass sie sprießen
Leise, laut und wunderschön
Ich werde jeden Tag mit dir genießen
In den Bergen über uns weht leicht der Föhn

Zeigt uns wundersame Wärme
Wenn er uns ganz sanft berührt
Fernab von jeglichem Stadtgelärme
Liebe an die man denkt und sie auch spürt

© Jürgen Rüstau