Träumende Leere – Traumgedanken

Das ist nun schon wieder eine solche Nacht. Sozusagen die Nacht aller Nächte. Man hat sich nun traumwach durch den ganzen Tag geschlummert. Einen Tag, welcher nicht sehr viel Traum Futter mit in die Nacht genommen hatte und es kam wie es kommen musste. Der dringend benötigte Schlaf wollte sich nicht einstellen. Ich lag mit teller großen Augen wach im Bett und konnte mich nicht in mein Traum Reich verabschieden. Du hattest deine Augen fest verschlossen. Du wühlst dich quer durch das Bett und rempelst mich ständig an. Oh, was hast du nur für Träume. Ich konnte es nicht nachvollziehen, auch nicht welcher Traum sich hinter deiner Schlaf Fassade verbarg. Ich beobachtete dich neidvoll. Außer einem gelegentlichen zufriedenen Blubbern konnte ich keine Regung aus deiner Traum Welt erkennen. Du blubbertest in deinem Tiefschlaf, ich lag wach im Bett und drehte mich von der einen auf die andere Seite, machte Atemübungen und was man sonst so in schlaflosen Nächten tut. Du schliefst wahrscheinlich den Schlaf der Gerechten. Ich versuchte mich in diesem herein zu versetzen, was mir naturgemäß misslang. Denn ich war ja hellwach!
Was tut man jetzt alles wenn man nicht schlafen kann? ich begab mich nun in eine leicht gekrümmte Stellung, hatte die Beine angezogen. Damit wollte ich einer ganz normalen Schlaf Position, wie zum Beispiel, im Mutterleib, nach empfinden.
Es misslang. Du strecktest dich nur aus, indem es Gliedmassen auf mich herab prasselden. Anschließend machtest du wieder ein unschuldiges Gesicht, brummeldest etwas unverständliches und fingst an mit leisen Schnachtönen. Dies verbesserte meine Lage nicht im geringsten. Nach wie vor schlief ich nicht. Keine Stunde, keine Minute und keine Sekunde. Meine Schlaflosigkeit und damit meine Traumlosikeit wurde leicht aggressiv und ich kommentierte all deine verruchten Schlafangelegenheiten etwas lauter und auch körperlicher. Ich schimpfte laut, rempelte dich an und imitierte deine Schnarchgeräuche. Es half alles nichts. Du schliefst, ich lag wach neben dir. Alle Schlafübungen waren vergebens.
In der Nacht waren schon einige Stunden vergangen und hatten nichts an der Situation verändert. Tief und fest war der Schlaf auf deiner Seite des Betts, schlafloser Chaos, auf meiner Seite. Ich versuchte jetzt in deine Träume einzudringen um mir ein paar Traumideen zu stehlen, aber ich hatte zu wenig Phantasie um mir deine Träume zu eigen zu machen. Was nun? Was tun?
Mir wollte nichts mehr einfallen. Ich blieb traumlos, war entnervt und schaute meine Partnerin ganz entnervt an. Vielleicht konnte ich noch einen Klassiker anwenden. Ich fing an Schafe zu zählen. Ich hatte die Tausend schon einige Male überstanden. Ich war es, der nicht schlief und sie war es, die genüsslich vor sich hin blubberte, leichte Schnarchgeräuche sich den Weg zu meinen Ohren bahnten. Im Gegensatz zu mir verließ sie ihren Traumpfad nicht. Anderseits hatte sich meine Aggressivität einen Trampelpfad geebnet. Ich ging all meine Varianten durch und kam zu keinem Ergebnis. Ich lag nach wie vor wach, mit bis zum Anschlag offenen Augen neben meiner Tief schlafenden Partnerin der Nacht, gezeichnet von leicht aggressiven Verhalten. Als ich gerade am Einnicken war, saß sie plötzlich leicht wippend im Bett und fragte mit eine Stimme, die an meinem Nervenkostüm kratzte:
„Kannst du etwa auch nicht schlafen?“
Daraufhin fiel ich in ein Wach Koma!
Das Ende einer unerfüllten Nacht.

Es geht aber auch anders…

Ich habe gerade einen Traum zu Grabe getragen.
Er war doch noch nicht alt,
werden all die Menschen um mich herum sagen.
Dieser Traum hatte nur kurze Zeit zu leben,
wollte viel zu schnell, im Steilflug,
seinen Traumhöhepunkt erstreben.
Er ist gestolpert, wurde nicht zu Ende geträumt.
Er ist gefallen ins Zeitlose der Nacht.
Warum? ,
habe ich ihn nicht zum Leben gebracht.
Warum,
sind Träume nur manchmal so kurz?
Warum,
so dramatisch ihr tiefer endloser Sturz?
Aus der sich zusammen geträumten Welt
ein Schweiß durch tränktes Erwachen.
Wieder
werden die Menschen um mich herum lachen.
Ich bin der, werden sie sagen,
der, der seine eigenen Träume vergeigt.
Und sie haben recht.
Das Leben hat es doch wieder mal gezeigt.
Klitschnass verschwitzt wache ich auf,
muss erleichtert erkennen,
mein Traum liegt neben mir
und kann noch in aller Seelenruhe pennen.

© Jürgen Rüstau 2026

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