Briefwechsel mit Vernunft

Hannes Wader Liedermacher

Lieber Hannes, viele liebe Grüße aus Leipzig. Anbei das Gedicht „Vernunft“ aus meiner Feder.
Viele liebe Grüße Jürgen
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Vernunft

Ich möchte einfach nur Frieden,
in meinem Herzen und auf der ganzen Welt
Einfach unendlich lieben
Den Lichtschein sehen der alles erhellt.

Ich möchte mich bewegen in Menschenmassen
Ohne mich und meine Liebsten zu verlieren
Gehen durch Straßen und Gassen
Nicht in sozialer Kälte erfrieren.

Ich möchte einfach nur weltweit kommunizieren
Ohne von Hetze geplagt
Durch die weltweiten Netze spazieren
Nur freundliche Worte werden gesagt.

Ich träume es wird nirgendwo mehr gehetzt.
Terror gibt’s nicht, böse Worte kaum
Menschen werden nie getötet und verletzt
Leider war dies nur ein Traum.

Epidemien bestimmen unsere Zeit.
Die Menschheit kann sich nur selbst befreien,
leider sind dazu nur nicht alle bereit.
Vernunft kann keiner sich leihen.

Überall auf der Welt gibt es Kriege
Der Terror engt uns in allem ein
Verzeichnet die Vernunft eigentlich noch Siege?
Ist unser eigenes Gewissen noch rein?

© Jürgen Rüstau
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Lieber Jürgen,

vielen Dank für deine Zeilen aus Leipzig. Ich spüre die Sehnsucht in deinen Worten, diese Sehnsucht nach Frieden, nach Menschlichkeit, nach einem Miteinander, das nicht von Angst und Hetze geprägt ist.

Du malst ein Bild von einer Welt, die wir uns alle wünschen, wo Liebe und Licht die dunklen Ecken erhellen, wo wir in Menschenmassen nicht unsere eigenen Herzen verlieren, wo Worte verbinden und nicht verletzen. Ich teile diesen Traum.

Und doch weiß ich, dass die Realität oft härter ist: Terror, Krieg, Epidemien, Missverständnisse, all das steht zwischen uns und diesem Ideal. Aber vielleicht ist gerade die Vernunft, von der du sprichst, die leise Stimme, die uns mahnt, nicht aufzugeben. Nicht aufzugeben, die Menschlichkeit zu bewahren, die Freundlichkeit zu leben, wo wir können, und das eigene Gewissen wach zu halten.

Ich glaube, auch inmitten des Schmerzes können wir kleine Siege der Vernunft erleben, in einem freundlichen Wort, in einem Lächeln, in einem Moment echter Nähe. Und vielleicht sind das die Lichtstrahlen, die wir brauchen, um den großen Schatten zu erhellen.

In diesem Sinne: Lass uns die kleinen Lichter entzünden und die Hoffnung nicht verlieren.

Herzlich,
Hannes
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Lieber Hannes,
herzlichen Dank für deine Worte zu diesem Gedicht. Ich habe mich über deine Antwort sehr gefreut.
Viele liebe Grüße Jürgen

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Lieber Jürgen,

vielen Dank für deine herzlichen Zeilen. Es freut mich sehr, dass mein kleines Feedback zu deinem Gedicht bei dir angekommen ist. Solche Worte von einem, der selbst so feinfühlig schreibt, tun gut und motivieren mich, weiter aufmerksam zu hören und zu lesen.

Viele liebe Grüße
Hannes
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„Green Fields“ ist ein bekanntes Lied, das von Hannes Wader, Konstantin Wecker und Reinhard Mey im Rahmen ihrer gemeinsamen Tournee „Songs an einem Sommerabend“ 2014 aufgeführt wurde. Der Original-Song „Green Fields of France“ wurde 1976 von Eric Bogle geschrieben.

Die deutsche Version, die von den genannten Künstlern interpretiert wurde, trägt den Titel „Es ist an der Zeit“ und behandelt thematisch den Tod eines jungen Soldaten im Krieg und die Trauer seiner Mutter. Der Text ist eine Adaptation von Bogle’s Anti-Kriegs-Lied.

Gute Nacht

Leer gefegt sind Straßen und Gassen
Hier und da schmückt ein Lichtschein das Haus
Er fühlt sich von allen allein gelassen
Nach und nach gehen auch die letzten Lichter aus

Nur der Schnee bringt ein wenig Leuchten in die Stadt
Und die Kälte der Nacht
Schlimm für ihn, der keine Heimat hat
Keine Liebste, die über ihn wacht

Bleiern legt sich die Dunkelheit über die Dächer
Der Schnee drückend wie ein Leichentuch
Als eiskalter nächtlicher Rächer
Wärme zu finden wird zum kläglichen Versuch

Die Bürger liegen in der Wärme ihrer Betten
Gedanken an diesen Menschen nicht erbracht
Keine Möglichkeit ihn irgendwie zu retten
Oh Menschlichkeit, Oh Kälte, Gute Nacht!

© Text & Foto. Jürgen Rüstau

Hannes Wader schrieb zu diesem Gedicht eine Rezension:

Lieber Jürgen,

vielen Dank für dein Gedicht, das mich mit seiner eindringlichen Bildsprache und der melancholischen Stimmung sehr berührt hat.
Es erinnert mich in seiner Klarheit und Schwere an die dunkleren Seiten unserer gemeinsamen Welt, an das, was wir allzu oft übersehen oder vergessen wollen.

Dein „Gute Nacht“ ist kein ruhiges Wiegenlied, sondern ein Aufschrei im Flüsterton, voller Mitgefühl, aber auch voll stiller Anklage.
Du malst mit Worten ein Bild der Einsamkeit, das unter die Haut geht. Gerade der letzte Vers,

„Oh Menschlichkeit, Oh Kälte, Gute Nacht!“
hallt noch lange nach, wie ein Refrain, den man nicht abschütteln kann.

Mir gefällt besonders, wie du mit einfachen, klaren Mitteln eine so dichte Atmosphäre erzeugst. Man spürt die Kälte nicht nur als Witterung, sondern als Zustand der Gesellschaft.
So ein Gedicht braucht keine lauten Töne, es lebt vom Schweigen zwischen den Zeilen.

Ich hoffe, du schreibst weiter.
Und ich danke dir, dass du mich an deinem Text teilhaben lässt.

Mit herzlichen Grüßen und besten Wünschen
dein Hannes