Mal bei Kästner rein geschaut…

…mal ein köstliches Gedicht von Erich Kästner. Ich wünsche euch einen schönen Sonntag Morgen ❤️

Erich Kästner

Kleine Stadt am Sonntagmorgen

Das Wetter ist recht gut geraten.
Der Kirchturm träumt vom lieben Gott.
Die Stadt riecht ganz und gar nach Braten
und auch ein bißchen nach Kompott.

Am Sonntag darf man lange schlafen.
Die Gassen sind so gut wie leer.
Zwei alte Tanten, die sich trafen,
bestreiten rüstig den Verkehr.

Sie führen wieder mal die alten
Gespräche, denn das hält gesund.
Die Fenster gähnen sanft und halten
sich die Gardinen vor den Mund.

Der neue Herr Provisor lauert
auf sein gestärktes Oberhemd.
Er flucht, weil es so lange dauert.
Man merkt daran: Er ist hier fremd.

Er will den Gottesdienst besuchen,
denn das erheischt die Tradition.
Die Stadt ist klein. Man soll nicht fluchen,
Pauline bringt das Hemd ja schon!

Die Stunden machen kleine Schritte
und heben ihre Füße kaum.
Die Langeweile macht Visite.
Die Tanten flüstern über Dritte.
Und drüben, auf des Marktes Mitte,
schnarcht leise der Kastanienbaum.

 

Das Gedicht „Kleine Stadt am Sonntagmorgen“ von Erich Kästner ist ein Beispiel für die literarische Gattung der Idylle. Eine Idylle ist ein Gedicht oder eine Prosastück, das ein friedliches, harmonisches und oft ländliches oder kleinstädtisches Bild beschreibt.

*Merkmale der Idylle*

Das Gedicht zeigt viele Merkmale einer Idylle:

– *Friedliche Atmosphäre*: Das Gedicht beschreibt eine friedliche und ruhige Atmosphäre in einer kleinen Stadt am Sonntagmorgen.
– *Kleinstädtisches Ambiente*: Die Stadt wird als klein und überschaubar dargestellt, mit engen Gassen und einem Marktplatz.
– *Alltägliche Szenen*: Das Gedicht beschreibt alltägliche Szenen, wie z.B. zwei alte Tanten, die sich treffen und miteinander sprechen, oder der neue Herr Provisor, der auf sein Hemd wartet.
– *Humor und Ironie*: Das Gedicht enthält humorvolle und ironische Elemente, wie z.B. die Beschreibung des Herrn Provisors, der flucht, weil sein Hemd nicht schnell genug kommt.

*Kästners Stil*

Das Gedicht zeigt auch Kästners typischen Stil, der durch seine Beobachtungsgabe, seine Ironie und seine Fähigkeit, alltägliche Szenen zu beschreiben, geprägt ist.

*Fazit*

Das Gedicht „Kleine Stadt am Sonntagmorgen“ von Erich Kästner ist ein Beispiel für eine Idylle, die eine friedliche und harmonische Atmosphäre in einer kleinen Stadt beschreibt. Das Gedicht zeigt Kästners typischen Stil und enthält humorvolle und ironische Elemente.

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