
Regina Thoss zur Tauchaer Blauen Stunde im café esprit
17.02.09 Die „Milva des Ostens“ in der „Blauen Stunde“
Zur „Blauen Stunde“ des Tauchaer Kulturvereins gab es diesmal gleich drei Premieren: Der showerfahrene MDR-Moderator Roman Knoblauch traf im ausverkauften Café Esprit zum ersten Mal livehaftig auf Schlager-Ikone Regina Thoss. Die wiederum war das erste Mal in Taucha, obwohl sie, wie sie selbst sagte, in ihrem fast 43jährigen Bühnenleben die DDR hoch und runter und rundherum bereist hat. Außerdem zeichnete „Leipzig Fernsehen“ die gesamte Talkrunde auf und wird sie unter dem Sendetitel „Roman Knoblauch im Gespräch mit Regina Thoss“ am Samstag, 20 Uhr und Sonntag, 18 Uhr senden.
Es wurde ein runder, bunter und stimmungsvoller Abend. Schon nach einer Viertelstunde stimmten die Gäste gemeinsam mit Regina Thoss „Jetzt gang i ans Brünnele“ und „Es waren zwei Königskinder“ an. Eigentlich gab es da noch eine vierte Premiere: Roman Knoblauch war das erste Mal sprachlos, denn diese Titel und auch „Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand“ gehörten offensichtlich nicht zu seinen musikalischen Favoriten.
Die in Zwickau geborene Sängerin überspielte das mit einem herzlichen Lachen, das die Gäste den ganzen Abend über immer wieder förmlich ansteckte. „Ich habe auch in den schweren Jahren nach der Wende das Lachen nicht verlernt. Das hat mir über viele Schwierigkeiten hinweg geholfen.“, sagt sie. Es kamen für die erfolgsverwöhnte Preisträgerin etlicher Festivals schwere Jahre. „Die Veranstalter und die Medien behandelten uns stiefmütterlich.“, war ihr Resümee zur Nachwendezeit. Zum Glück hatte sie auf Kreuzfahrtschiffen, auf denen sie auch schon zu DDR-Zeiten gastieren durfte, noch Auftrittsmöglichkeiten.
Wie es ihr in dieser Zeit ergangen ist, erzählt sie, gespickt mit vielen Episoden und Fotos aus ihrem Alltag im DDR-Showgeschäft, auch in ihrem Buch „Am Ende zählt nur die Liebe – Meine Erinnerungen“. „Das Buch ist übrigens eine Herzensangelegenheit von mir, denn ich musste etliche Gerüchte ausräumen, die über mich in schlecht recherchierten Meldungen verbreitet wurden. Dagegen hab ich auch geklagt und Recht bekommen“, sagte Regina Thoss. Was treibt eine gestandene Künstlerin nach so vielen musikalischen Erfolgsjahren noch immer auf die Bühne? „Ich bin mit Leib und Seele in meinem Beruf und ich merke immer wieder, dass die Menschen hier das Bedürfnis haben, ihre Stars mit denen sie aufgewachsen sind, hautnah zu erleben. Ich kann da nicht auf die Erfolge von Gestern aufbauen, das Publikum hat ein Recht auf ehrliche Arbeit und diese Erwartungshaltung möchte ich ständig erfüllen. Ich glaube das merken die Leute auch und danken es mir“, bringt es die sympathische Sängerin auf den Punkt.
Wegen ihrer Stimme und ihrer Ausstrahlung und nicht zuletzt wegen ihrer roten Haare wird sie oft die „Milva des Ostens“ genannt. Ihr ist sie allerdings noch nie begegnet. Natürlich hatte sie auch in Taucha den Erfolgstitel „Zusammenleben“ der italienischen Sängerin in ihrem Repertoire.
Regina Thoss absolvierte eine Gesangs- und Klavierausbildung am Robert-Schumann-Konservatorium in Zwickau. Heinz Quermann entdeckte die Oberschülerin mit 16 Jahren in Sömmerda in der Sendung „Herzklopfen kostenlos“. Der große Durchbruch gelang ihr dann mit der Teilnahme am Schlagerfestival der Ostseeländer 1966 in Rostock, bei dem sie als 20-jährige mit dem Titel ‚Die erste Nacht am Meer‘ siegte. Bis heute hat sie mittlerweile mehr als 200 Titel produziert. Ihr erster Auftritt im „Kessel Buntes“ war übrigens 1975.
Wie sie zur „Blauen Stunde“ einige ihrer Erfolgstitel sang, merkte man ihr die gründliche Gesangsbildung an. „Stimmunterricht ist schon wichtig, denn das, was heute oftmals durch denn Äther geht, ist eigentlich nur Fast Food. Da zählt leider nur die Einschaltquote.“, so die Kennerin der Materie zu den Casting-Shows. Die Sieger seien sehr schnell weg vom Fenster. Ihr aber ist es gelungen, ihre Zuschauer mehr als 40 Jahre zu begeistern. Mit ihrer offenen, freundlichen und humorvollen Art und natürlich mit ihrer schönen Stimme hat sie das Publikum in ihren Bann gezogen und allen zwei schöne „Blaue Stunden“ beschert.
Bericht IVT. Text und Fotos: Reinhard Rädler